Das Kapla-Reich


„Als erstes hatten wir Lust irgendwas zu bauen, aber dann ist die Kapla-Stadt entstanden. Nun sind wir richtige Bauexpertinnen geworden.“

Das Kapla-Reich von Lieselotte, Wilhelmine, Finja und Henriette besteht aus 1880 Bausteinen.

Stolz präsentieren die vier Mädchen ihr Werk, das sie gemeinsam im Baumarkt errichtet haben.

Der Baumarkt, ein etwa 15 Quadratmeter großer Raum mit Teppichboden. Keine Möbel, nur drei Kisten mit Kapla-Bausteinen befinden sich hier. 1880 Bausteine, die allesamt die exakt gleiche Größe aufweisen.

Wie langweilig, könnte der erste Gedanke sein, doch bei näherer Betrachtung, zeigt sich das geniale Prinzip, das hinter dieser Idee steckt. Mit den Bausteinen können die Kinder einfachste, aber auch hoch komplexe Bauten errichten. Hierbei lernen sie durch eigenes Handeln Vieles über Geometrie und Statik, schulen gleichzeitig ihr ästhetisches Empfinden und trainieren ihr Durchhaltevermögen und ihre Disziplin, denn das Stapeln der Bausteine erfordert Geschick und eine ruhige Hand, sonst bricht ein Bauwerk auch schon mal kurz vor der Fertigstellung zusammen.

Wer im Baumarkt tätig wird, schafft Vergängliches, denn es handelt sich um lose aufeinandergelegte Bausteine, die am nächsten Tag von anderen Kindern bereits wieder zu einem völlig andersartigen Bauwerk zusammengefügt werden. Doch gerade in dieser Vergänglichkeit manifestiert sich für die Kinder auch Entspannung, denn wenn etwas nicht gefällt, wird es einfach um- oder abgebaut. Viele unserer Hortkinder verbringen lange Zeitspannen im Baumarkt, denn dort können sie ihre Aufmerksamkeit polarisieren und sich durch ihre Tätigkeit entspannen und ausleben.